Wenn Bauch, Po, Hüfte und Oberschenkel sich weigern, trotz eisener Diäten und Sport an Umfang zu verlieren, denken immer mehr Menschen an eine Lösung: Fettabsaugen. Sich bei einem Schönheitschirurgen „unters Messer” zu legen, ist längst hoffähig geworden.

Die Zahlen sprechen für sich: In Deutschland suchen eine halbe Million Menschen Hilfe beim Schönheitsarzt – das sind zehnmal so viele wie vor zehn Jahren. Nur die Hälfte der Eingriffe hatte medizinische Gründe, wie etwa Wiederherstellungsoperationen nach Unfällen oder Krebserkrankungen.
Das Absaugen von Fett spielt in der Schönheitschirurgie eine zentrale Rolle. Drei Methoden standen den Ärzten dafür bisher zur Verfügung: Die Entfernung mit Hilfe von Spritzen, einer Pumpe oder mit Ultraschall. Doch nun gibt es ein neues Verfahren, das das Risiko für die Patienten erheblich senkt.

Die sogenannte Vibrationslipektomie in Verbindung mit der Tumeszenztechnik. Eine großangelegte Studie des Dermatologen Dr. William Hanke von der amerikanischen University-School of Medicine in Indianapolis hat gezeigt, dass die Tumeszenz-Methode wegen der niedrigen Komplikationsrate anderen Verfahren deutlich überlegen ist.
Einer der führenden Spezialisten in Deutschland ist Dr. Matthias Wagner, Leiter der Münchner Klinik für ästhetische Chirurgie. Auch er setzt auf die Vibrationslipektomie: „Mit diesem Verfahren können wir die Körpersilhouette besonders sanft und effektiv modellieren”, sagt der Plastische Chirurg.
Und so funktioniert die Vibrationslipektomie: Zunächst weicht der Arzt die überschüssigen Fettzellen auf, um sie gleichmäßig und mit größtmöglicher Schonung der umliegenden Gewebestrukturen entfernen zu können. Dafür benutzt er die sogenannte Tumeszenzflüssigkeit. Danach führt der Chirurg feine Kanülen in die entsprechende Körperpartie ein. Die „rütteln” das aufgeweichte Fett sanft aus dem Bindegewebe heraus. Bisher musste der Arzt heftig „stochern”, um das Fett zu entfernen. Das ist jetzt überflüssig. Dadurch werden Nerven und Gefäße geschont. „Außerdem ist es jetzt problemlos möglich, auch Fettdepots abzusaugen, bei denen es bisher schwierig war”, erläutert Dr. Matthias Wagner. Die Nadeln, die für diesen Eingriff verwendet werden, sind extrem fein. Der Arzt kommt daher mit kleinen Operationsschnitten von nur fünf bis acht Millimetern aus. „Dadurch wird die Heilungsphase verkürzt. Schon nach wenigen Wochen ist die Wunde völlig verheilt”, sagt der Münchener Experte. Vollnarkose ist für diesen Eingriff nicht mehr nötig. Die Flüssigkeit, die zu Beginn der Operation das Fett aufweicht, enthält gleichzeitig ein lokales Betäubungsmittel. „Damit sinkt das Risiko für die Patienten”, erklärt Dr. Wagner. Mehr noch: Der Verzicht auf die Vollnarkose verbessert auch das Behandlungsergebnis. „Ich kann das Resultat schon während des Absaugens immer wieder überprüfen und optimieren. So kann ich zum Beispiel verbliebene Fettdepots erkennen, wenn die Patienten vor mir stehen. Im Liegen ist das nicht möglich”, erläutert der Plastische Chirurg. Dabei wird das Fett auch aus den tiefen Schichten entfernt. Klinikchef Dr. Wagner erklärt die Vorteile: „Das führt nicht nur zu einer besseren Formgebung, sondern auch zu einer besseren Hautstraffung, denn die Schwingungen der Kanülen und eine spezielle Führungstechnik bewirken, dass sich die Haut allmählich zusammenzieht und straff anlegt.” Selbst eine Orangenhaut wird dadurch meist gebessert. Der Eingriff ist so unkompliziert, dass die Patienten die Klinikschon nach einigen Stunden wieder verlassen können.
Grundsätzlich können Ärzte mit der Vibrationslipektomie Fettpölsterchen in fast allen Körperregionen absaugen. Eine Ausnahme ist zum Beispiel der Bereich vor der Kniescheibe. Zu den schwierigen Zonen zählen die Unterschenkel und die Oberschenkelvorderseiten.
Ein Eingriff kostet je nach Anzahl der behandelten Regionen, dem Schwierigkeitsgrad und dem Aufwand der jeweiligen Absaugung zwischen 3000 und 12000 Mark. Die Krankenkassen beteiligen sich grundsätzlich nicht an Kosten für eine Schönheitsoperation.
Münchner Klinik für ästhetische Chirurgie, Dr. Matthias Wagner, Facharzt für Chirurgie/ Plastische Chirurgie

frau aktuell 17.10.2001