Der erste Büstenhalter ist für die meisten Mädchen ein Ereignis. Viele können es kaum erwarten und sind mächtig stolz, wenn es so weit ist. Sandra nicht, denn sie war erst zwölf, als sie ihren Busen bekam.Vor und Nach der Operation

„Mit 13 hatte ich den häßlichsten Busen von allen“

Der erste BH war bald zu klein. „Mit 13 hatte ich C-Körbchen, den größten und häßlichsten Busen von allen“, erzählt die heute 18-Jährige aus Kreuth bei Ingolstadt. „Ich bin nicht mehr gewachsen, aber der Busen hörte nicht auf“, sagte die junge Frau, die 1,58 Meter groß ist.

Mit 14 hatte Sandra Doppel-D und fühlte sich schrecklich. „Jeder starrte auf meine Brust, die Jungs machten ständig Sprüche.“ Sie hieß nur noch „Tittenmonster“. Und genau so fühlte sie sich. „Ich konnte keinen Sport machen, weil die Brust störte und beim Laufen wehtat.“ Sie zwängte ihre Oberweite in Minimizer-BHs, trug am liebsten Schlabberpullis. „Es war die Hölle, ich fühlte mich völlig auf meinen Busen reduziert.“, sagt die Arzthelferin. Als sie 16 wurde, war sie bei Cup F angelangt und zog sich total zurück. „Ich war verschüchtert, ging nie schwimmen, ließ die Schulten nach vorn hängen, hatte Wunden von den BH-Trägern, Rückenschmerzen.“ Man riet ihr, Krankengymnastik zu machen – doch dazu kam es nicht mehr.

Zufällig sah sie einen Bericht im Fernsehen über operative Brustverkleinerung. „Da war mir klar, dass ich nicht so weiterleben muss.“ Sandra recherchierte über Kliniken für plastische Chirurgie. „Eine Woche später saß ich bei einem Arzt zum Aufklärungsgespräch“, erzählt Sandra. Danach ging alles ganz schnell. Eine Voruntersuchung ergab, dass sie mit ihren 17 Jahren ausgewachsen und daher die Operation möglich war. Ihre Mutter wollte die 5200 Euro bezahlen. Doch Dr. Matthias Wagner, Leiter der Münchner Klinik für ästhetische Chirurgie, stellte einen Antrag bei Sandras Krankenkasse. Die Kosten wurden aus medizinischen Gründen übernommen.

Der Beginn eines neuen Lebens

Zwei Wochen später, im August 2003, war es so weit. „Ich war sehr aufgeregt, versuchte, die Angst zu verdrängen.“ Vier Stunden dauerte die Verkleinerung, 340 Milliliter je Brust (entnommenes Gewebe wird in Litern gemessen). Einen Tag später wurde der Verband gewechselt und Sandra konnte ihren neuen kleineren Busen sehen. „Ich habe geweint vor Glück.“ Nach einem Monat wurden die Fäden gezogen und nur noch eine schmale rote Linie um die Brustwarze und senkrecht Richtung Rumpf war zu sehen. „Das war für sie ein Festtag, das erste Mal in die Dessous-Abteilung zu gehen und all die süßen Wäscheteile anzuprobieren. Heute hat sie ein ganzes Regal voll Spitzen-BHs in Cup B, trägt am liebsten ausgeschnittene Tops und figurbetonte Kleider, genießt es, baden zu gehen, joggt mit Begeisterung. „Ich bin jetzt viel selbstbewusster.“ Und verliebt hat sie sich auch. Ihrem Freund hat sie Fotos von früher gezeigt, er fand ihren großen Busen nicht so schlimm. „Männer eben“, lacht Sandra. Anderen Mädchen mit XXL-Brüsten will sie Mut machen: „Das ist kein Schicksal, das lässt sich ändern, es lohnt sich.“

Glamour 24/04