Die verschiedenen Methoden der Fettabsaugung
Zum besseren Verständnis ist es erforderlich, kurz auf die Anatomie des subkutanen Fettgewebes einzugehen. In bestimmten Bereichen wie Oberschenkelaußenseite, Unterbauch oder Kniegelenksinnenseite finden sich eine oberflächliche und eine tiefe Schicht. Die tiefe Fettschicht ist die Schicht, die bei adipösen Menschen deutlich hypertrophiert. Diese tiefen Fettpolster sind auch geschlechtsspezifisch und interindividuell unterschiedlich ausgeprägt. Zunächst war man aus Gründen von entstehenden Konturirregularitäten bemüht, nur in der tiefen Fettschicht, d.h. dem Reservefettpolster, abzusaugen.
Körperregionen mit naturgegeben schlafferer Hautsituation (z.B.
proximale Oberschenkelinnenseite) kamen von vorneherein nicht für eine
Fettabsaugung in Frage.
Erst das Vordringen in eine oberflächennahe Zone erweiterte das
Spektrum und die Regionen der Fettabsaugung erheblich. Es wurde damit
nicht nur eine bessere Formgebung (daher der Begriff Liposkulptur),
sondern auch eine bessere Hautretraktion ermöglicht und auch
Konturirregularitäten konnten besser vermieden werden.
Bei der Schönheitschirurgie mittels Tulip-System handelt es sich um
eine Modifikation des Absaugvorgangs, bei der der für die Fettabsaugung
erforderliche Unterdruck nicht mittels elektrischer Absaugpumpe,
sondern mit Hilfe einer speziellen Spritze erzeugt wird. Der
Absaugvorgang selbst sowie die erforderlichen Kanülen unterscheiden
sich nicht wesentlich. Das System eignet sich besonders für
Körperregionen, in denen nur geringe Volumina abgesaugt werden müssen
(z.B. Kniegelenksinnenseiten, Kopfhalsbereich).
Als hauptsächliche Nachteile muss man vor allem den ständigen
Spritzenwechsel sowie die wechselnden Druckgradienten während des
Absaugvorganges berücksichtigen. Die postoperativen Ergebnisse und die
Komplikationsraten unterscheiden sich bei den oben beschriebenen
Methoden nicht. Anfang der 90er Jahre wurde ein neues Verfahren bei der
Fettabsaugung eingeführt, das unter Zuhilfenahme von Ultraschallenergie
die selektive Zerstörung von Fettgewebe ermöglichte
(Ultraschallassistierte Liposuktion (UAL)).
Dabei wurde eine solide Titansonde zur Ultraschallapplikation
verwendet, bei der die Fettzellen selektiv durch Expansion und
Kompression von entstehenden kleinsten Gasblasen zerstört werden
(Kavitation). In einem zweiten Schritt erfolgte dann die Absaugung des
verflüssigten Fettes mit einer üblichen Absaugkanüle. Neuere
Gerätegenerationen ermöglichen die Ultraschallapplikation und Absaugung
in einem Arbeitsvorgang mithilfe von Titanhohlsonden und speziellen
Kühleinrichtungen der Sonde. Bei der Anwendung von Ultraschall
resultiert eine Gewebeerwärmung. Weiterhin ist für eine ausreichende
Kavitation (s.o.) ein feuchtes Milieu erforderlich. Dies hat zur Folge,
dass die Ultraschallfettabsaugung nur in Zusammenhang mit der
Tumeszenztechnik angewendet werden darf.
Aus dem Gesagten lässt sich zwanglos das Hauptproblem der neuen Technik erklären: die thermische Energie, die zu möglichen Schäden des Gewebes, vornehmlich der Haut führen kann. Bei der Power assistierten Fettabsaugung (PAL) wird das Fettgewebe aus den bindegewebigen Strukturen durch Vor- und Rückwärtsbewegung (Vibration) der Absaugkanüle herausgelöst und anschließend abgesaugt. Die Methode führt zu einer geringeren Traumatisierung des Gewebes. Die Wasserstrahl assistierte Liposuktion (WAL) löst mit einem Hochdruckwasserstrahl das Fettgewebe aus dem Bindegewebe heraus. Ein fächerförmig austretender Flüssigkeitsstrahl zerlegt das Fettgewebe in absaugfähige Fragmente. Im gleichen Arbeitsgang werden Lösung und losgelöste Fettgewebspartikel über die Öffnungen der Kanüle direkt abgesaugt.




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